Stuttgart, 06.08.08 - An die Adresse der gesetzliche Krankenkassen gerichtet fordern die niedergelassenen Fachärzte nachhaltig, die gemachten Zusagen bezüglich einer Aufstockung der ärztlichen Vergütung einzuhalten.
"In den anstehenden Verhandlungen um die zukünftige Entwicklung der Vergütung für die ärztlichen Leistungen muss die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) unnachgiebig bleiben", so Michael P. Jaumann, 1. Vorsitzender des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V.
Er erklärt: "Es kann nicht angehen, dass Kassenvertreter den Krankenhäusern die Mehrkosten durch steigende Löhne und Energiekosten abnehmen wollen - auf der anderen Seite aber genau dies den Niedergelassenen verweigern."
Zur Erinnerung: In den Verhandlungen von Kassen und KBV hatten die Kassen 2007 nach langem Gefeilsche sich bereit erklärt, die Kosten durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent zu übernehmen. Abgelehnt wurde, die gestiegenen Gehälter der Arzthelferinnen und die erheblich höheren Energiekosten (für z. B. Fahrten zum Hausbesuch etc.) zu übernehmen. Entrüstet äußert sich Herr Dieter Haack, 1. Vorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Chirurgen (BNC): "Es ist perfide, wenn Gesundheitsexperten wie z. B. Frau Doris Pfeiffer vom Spitzenverband Bund der Krankenkassen immer wieder die Einkommenssituation der Ärzte in die Öffentlichkeit zerren. Dabei wird dann der Praxisumsatz mit dem Netto-Einkommen verwechselt. Unterm Strich bleiben vielen Ärzten vom Umsatz nach Abzug der Praxiskosten deutlich weniger als 5.000 Euro - davon sind dann noch Steuern zu zahlen und die Vorsorge für Alter und Krankheit zu bestreiten."
Auch geht der Vorschlag von Doris Pfeiffer, die Arzteinkommen innerhalb der Ärzteschaft umzuverteilen, an der Versorgungswirklichkeit vorbei: Fachärzte z. B. haben einen hohen Investitionsbedarf, anders die Hausärzte. Hinter der Einkommensverteilung stehen u. a. unterschiedliche Lebenspläne (Halbtagspraxen etc.) und Leistungspaletten (Hochleistungsmedizin).
"Die Einkommensverteilung ist so unterschiedlich wie die des Leistungsangebotes - das ist gerecht, das ist der Markt. Ungerecht ist, dass die niedergelassenen Ärzte in den vergangenen Jahren auf Einkommenszuwächse verzichten mussten", kommentiert der Vorsitzende des DFV Thomas Scharmann.
In diesem Zusammenhang ist zu kritisieren, dass einige Kassenvertreter die gute Qualität der fachärztlichen Leistungen in der ambulanten Medizin ignorieren. In vielen Regionen werden mit gutem Erfolg bestimmte Leistungen wie Prävention, ambulantes und belegärztliches Operieren von den Kassen gefördert. "Damit konnten, so Analysen in Baden-Württemberg, erstmalig die stationären Krankenhausfälle gesenkt werden", so Dieter Haack. "Damit sparten die Kassen richtig Geld ein."
Angesichts der vom BMG und der KBV vorgelegten Zahlen, dass ein Drittel der niedergelassenen Ärzte weniger als 2.000 Euro monatlich netto zur Verfügung hat und ein weiteres Drittel weniger als 3.500 Euro, mutet es geradezu grotesk an, wenn das Bundesland Hessen die Nettogehälter der Lehrer aus Werbegründen von 1.800 Euro auf 2.300 Euro anhebt.
Ein gravierender Unterschied hierbei ist, dass die niedergelassenen Ärzte mittelständische Unternehmen sind mit Arzthelferinnen, Praxiskosten und regelmäßig anstehenden Neu-Investitionen.
Fazit: "Eine Erhöhung der Vergütung ärztlicher Honorare ist längst überfällig. Derzeit werden 20 bis 30 Prozent der erbrachten Leistungen nicht bezahlt",so Jaumann. Haack ergänzt: "Wenn wir die gewohnte und gebotene Qualität aufrecht erhalten wollen, muss mehr Geld in das Gesundheitssystem.
Frau Bundeskanzlerin Merkel und die Bundesgesundheitsministerin Schmidt haben das richtig erkannt und zu Recht befürwortet."
Dr. med. Michael P. Jaumann Dr. med. Dieter Haack