Ausgabe 5/2021 ·

mRNA: Technologie mit Zukunft

Automatische Pipetten im Labor
In die mRNA-Technologie werden große Hoffnungen gesetzt. eplisterra - stock.adobe.com

Nach dem Erfolg der mRNA-Technologie bei der Impfstoffherstellung werden auch in anderen Bereichen der Medizin große Hoffnungen in Wirkstoffe auf mRNA-Basis gesetzt. Insbesondere in der Immunologie, Onkologie und bei seltenen Erkrankungen setzt man auf die neue Technologie.

Der Vorteil gegenüber bisherigen Arzneimitteln besteht darin, dass das Molekül mRNA wie eine Software programmiert werden kann. Das Molekül besteht aus vier verschiedenen Bausteinen, die als Nukleotide bezeichnet werden. In der mRNA sind Hunderte oder Tausende dieser Nukleotide in einer einzigartigen Reihenfolge verknüpft, um genetische Informationen an Zellen zu übermitteln. Alle therapeutischen mRNAs haben sehr ähnliche Zusammensetzungen und unterscheiden sich nur in ihrer Sequenzreihenfolge. Gleichzeitig haben sie die Fähigkeit, eine Vielzahl verschiedener Proteine ​​zu kodieren. Durch diese Eigenschaften ist eine schnelle, flexible und kostengünstige Entwicklung von Therapeutika möglich, die breit anwendbar für die Behandlung vieler Krankheiten sind.

Onkologische Arzneimittel in der Testphase

Momentan befinden sich die mRNA-Therapien überwiegend in der frühen klinischen Testphase oder der präklinischen Entwicklung. Am engsten verwandt mit den Covid-Impfstoffen sind die onkologischen Arzneimittel, denn auch sie sollen die Immunabwehr mithilfe von mRNA aktivieren. Anders als bei der Impfung sollen die Wirkstoffe aber keine Krankheit verhindern, sondern eine bereits manifestierte Erkrankung in Schach halten. Das Verfahren besteht darin, den Immunzellen mithilfe von mRNA-Erkennungsmerkmale von Krebszellen zu vermitteln. BioNTech testet bereits eine ganze Reihe solcher mRNA-Krebsvakzine in klinischen Studien, eine davon richtet sich gegen Kopf-Hals-Tumoren. Überdies forscht das Unternehmen an individuell angepassten mRNA-Impfstoffen, die gegen Mutationen auf Tumorzellen gerichtet sind, die nur bei dem jeweiligen Patienten auftreten.

Darüber hinaus werden Antikörper-Präparate zur Behandlung von Krebs, Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Infektionskrankheiten entwickelt. Die Firma Moderna etwa testet einen mRNA-Wirkstoff, der die Produktion von Antikörpern gegen die in Afrika und Asien verbreitete Infektionskrankheit Chikungunya anregt. Darüber hinaus arbeitet das US-amerikanische Unternehmen an Protein-Ersatztherapien gegen seltene Erbkrankheiten.

Derzeit deutet sich an, dass die mRNA-Technologie in Kombination mit anderen Technologien und etablierten Arzneiwirkstoffen am effektivsten sein könnte. Dies wird vor allem in der Krebsmedizin angenommen. Insgesamt bleibt es spannend, ob und wie die vielfältigen und ehrgeizigen Projekte sich in der Praxis etablieren werden.

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Autorin

Julia Bathelt


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