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Keine Diskriminierung im Medizinstudium – HNO-Vizepräsidentin kritisiert Forderung nach Männerquote


Neumünster , 08.03.2017 - Die Vizepräsidentin des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte, Dr. Ellen Lundershausen, kritisiert die Forderung nach einer Männerquote für das Medizinstudium. „Es ist falsch, die geänderten Lebensmodelle junger Ärztinnen und Ärzte als Problem darzustellen“, so die HNO-Ärztin aus Erfurt. Vielmehr müsse das Medizinstudium an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde verstehe sich als familienfreundliches Fach, das gerade in der Niederlassung gute Möglichkeiten für Teilzeitarbeitsmodelle biete, so Lundershausen.

Hintergrund der Äußerungen ist ein Gastbeitrag von Prof. Jürgen Freyschmidt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In dem Beitrag fordert der Bremer Medizinprofessor unter anderem eine fünfzigprozentige Männerquote beim Medizinstudium. Das unausgeglichene Geschlechterverhältnis von 65 Prozent Frauen im Medizinstudium sei das eigentliche Problem hinter der „spürbaren medizinischen Unterversorgung kranker Menschen“, so Freyschmidt.

Lundershausen: „Es ist absurd, die niedrigen Geburtenraten zu bejammern und gleichzeitig Frauen, die Kinder kriegen wollen, auf diese Art zu diskriminieren. Solche wirklichkeitsfremden Vorstellungen sind von vorgestern und verkennen die Wünsche und Ansprüche der jungen Ärztegeneration.“ Auch für die Patienten wäre eine Männerquote kaum von Vorteil. „Wenn nicht mehr die klügsten Köpfe einen Studienplatz erhalten, sondern die, die in das Quotenraster fallen, kann das nicht im Sinn der besten medizinischen Versorgung sein“, so Lundershausen.

In den immer noch nahezu ausschließlich von Männern geführten Klinikabteilungen müsse schleunigst ein Umdenken einsetzen, wie junge Menschen heute Geschlechterrollen leben, fordert Lundershausen. Es müsse jungen Frauen möglich gemacht werden, ihre Ansprüche an ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Familienleben in der Medizin zu erfüllen. Das Gleiche gelte im Übrigen für beide Geschlechter, ergänzt die HNO-Ärztin: „Immer mehr Männer nehmen Elternzeit bei der Geburt ihres Kindes. Das gehört zum Selbstverständnis der jungen Generation dazu.“

Die Hals-Nasen-Ohrenheilkunde biete viele Möglichkeiten, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. „Die HNO ist vor allem in der Niederlassung bestens geeignet, Berufsausübungsgemeinschaften zu gründen und familienfreundlich in Teilzeit zu arbeiten.“ Dadurch könnten überlange Arbeitszeiten, wie sie in den Kliniken immer noch an der Tagesordnung seien, vermieden werden. Der HNO-Berufsband unterstützt junge Ärztinnen und Ärzte bei der Weiterbildung zum Facharzt mit einem Mentorenprogramm und hilft bei der Suche nach einer Assistentenstelle. Mehr Informationen dazu unter: www.hno-aerzte.de/index/junge-Aerztinnen-und-Aerzte.php.

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