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Hauttumoren im Kopf- und Halsbereich: Medikamentöse Therapien versprechen neue Ära


Krebszellen im menschlichen Körper: Neue Therapien sollen körpereigene Abwehr stärken (Bild: crevis)
Mannheim , 12.10.2017 - Mit der Immunonkologie steht die Krebsmedizin vor einer neuen Ära. Statt Tumorzellen direkt anzugreifen, werden mithilfe spezieller Medikamente körpereigene Immunzellen unterstützt. „Die Idee ist, die Zellen so zu aktivieren, dass sie nach einer Therapie im Körper verbleibende Tumorzellen erkennen und eliminieren“, erklärt Prof. Dr. Barbara Wollenberg vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Die 51. Fortbildungsveranstaltung für Hals-Nasen-Ohrenärzte befasst sich in diesem Jahr mit diesem und weiteren Themen aus dem Bereich der Onkologie.

Patienten mit Plattenepithelkarzinomen des Kopf- und Halsbereichs in fortgeschrittenen Tumorstadien haben schlechte Heilungschancen, berichtet Prof. Wollenberg. Denn die aktuellen Therapieverfahren – operative Therapie, zielgerichtete Bestrahlungsschemata, Chemotherapie sowie Targeted Therapy – bleiben allzu oft unzureichend: „In den letzten Jahren sind eine Vielzahl molekularer Mechanismen erforscht worden, die klarer werden lassen, dass die aktuellen Therapieverfahren zu viele Lücken lassen und speziell in den fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung nicht passgenau sind“, konstatiert Prof. Wollenberg. Die Hoffnungen liegen daher auf einer Reihe neuer Medikamente aus dem Bereich der Immunonkologie, die teilweise in Studien, teils in Zulassung die Klinik bereits erreichen.

Dabei handele es sich um Medikamente, die im Wesentlichen auf die Unterstützung der körpereigenen Immunzellen, wie T-Zellen oder natürliche Killerzellen, und nicht auf die direkte Eliminierung von Tumorzellen abzielen. Immunzellen, die diese Aufgabe erledigen könnten, finden sich im gesamten Körper, erläutert Medizinerin Wollenberg: „Von speziellem Interesse sind die des sogenannten Immuninfiltrates des Primärtumors. Bei diesen Zellen wird angenommen, dass sie den Tumor bereits erkannt haben, also vor Ort angekommen sind und dennoch funktionell paralysiert sind.“ Es gebe Hinweise, dass die Prognose von Patienten mit der Quantität und dem Aktivierungszustand des Immuninfiltrates korreliere.

Menschliche T-Zellen unterliegen einer strengen Kontrolle, die am sogenannten Checkpoint entschieden werde, beschreibt die Wissenschaftlerin weiter. Durch eine Vielzahl von aktivierenden und hemmenden Rezeptoren auf ihrer Oberfläche können T-Zellen angeregt oder in ihrer Funktion behindert werden. Zwar sei diese Funktionsweise durchaus sinnvoll, um beispielsweise Autoimmunreaktionen zu verhindern. Bei Tumorerkrankungen erweise sich der Mechanismus jedoch als problematisch, so Wollenberg: „Tumorzellen können diese regulierenden Rezeptoren akquirieren und eine gewünschte T-Zellen-Antwort abschalten.“ Immunonkologische Medikamente setzen an dieser Stelle an und verhindern die Hemmung der T-Zellen. Im Ergebnis bleiben die T-Lymphozyten aktiv und die Immunantwort kann normal ablaufen.

Aktuelle Studien zum Einsatz entsprechender Antikörper zeigen, dass die Immuntherapie bei circa 20 Prozent der Patienten anschlage und mit einem signifikanten Überlebensvorteil einhergehe, so die HNO-Expertin. Dennoch seien weitere Untersuchungen notwendig: „Aktuell werden weltweit mehrere hundert Immuntherapiestudien in verschiedenen onkologischen Entitäten durchgeführt.“ Allen gemein sei das noch weitgehend fehlende Verständnis für Resistenzbildung oder Nichtansprechen der Therapien sowie das Fehlen verlässlicher Biomarker, die den Therapieverlauf vorhersagen könnten. Trotzdem zeigt sich Wollenberg von der neuen Therapie überzeugt. Hoffnungsvoll könne man sagen, dass mit der Immunonkologie eine neue Ära der Krebstherapie begonnen habe.

Die 51. Fortbildungsveranstaltung für Hals-Nasen-Ohrenärzte findet vom 26. bis 28. Oktober 2017 im Congress Center Rosengarten in Mannheim statt. Informationen zu Programm und Anmeldung sind im Internet unter www.fg-hno-aerzte.de abrufbar.

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