Pressemitteilung ·

Unbedachter Einsatz kann gefährlich werden – HNO-Experte warnt vor leichtfertiger Verschreibung von Antibiotika

Antibiotika sind bei Erkältungsbeschwerden komplett wirkungslos. Syda Productions/Adobe Stock

„Bei Infektionen der oberen Atemwege, die sich durch Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Hals- und Ohrenschmerzen äußern, werden nach wie vor zu oft Antibiotika verschrieben.“ Darauf weist Prof. Dr. Bernhard Olzowy aus Landsberg am Lech hin. Oft seien für diese Beschwerden aber Viren und keine Bakterien verantwortlich. „Antibiotika sind dann komplett wirkungslos“, erklärt der Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Sein Plädoyer: Antibiotika sollen mit Bedacht eingesetzt werden. Meistens werde ein gesundes Immunsystem mit etwas körperlicher Schonung auch ohne Antibiotika mit den Beschwerden fertig. Dies dauere in der Regel lediglich ein paar Tage länger.

Dank Antibiotika sei es heutzutage selten, dass sonst gesunde Menschen an bakteriellen Infektionen sterben, erklärt der HNO-Experte: „Damit dies auch so bleibt, müssen Antibiotika mit Bedacht eingesetzt werden. Je häufiger sie gegeben werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Bakterien gegen Antibiotika resistent, also unempfindlich werden.“ Aber es gebe noch weitere Gründe, warum Antibiotika nicht unnötig oft eingesetzt werden sollten: „Bakterien spielen nämlich nicht nur als Erreger von Infektionen eine Rolle. Auf unserer Körperoberfläche, der Haut, aber auch auf unseren inneren Kontaktflächen zur Außenwelt – den Schleimhäuten der Atem- und Verdauungswege – leben eine Vielzahl von Bakterien. Diese Bakterien spielen für unsere Verdauung und unsere Immunabwehr eine wichtige Rolle“, so Olzowy.

Bei der ärztlichen Diagnostik komme es auf einen zielgenauen Einsatz der Medikamente an: „Wenn wir eine Infektionskrankheit, zum Beispiel eine Mittelohrentzündung, mit einem Antibiotikum behandeln, wissen wir in diesem konkreten Fall meist nicht, welche Art von Bakterien sie verursacht. Wir wissen aber, welche Bakterien grundsätzlich eine Mittelohrentzündung hervorrufen können. Wir wählen also ein Antibiotikum aus, das möglichst gegen alle in Frage kommenden Bakterien wirksam ist.“ Dieses Antibiotikum werde allerdings nicht nur diese Infektionserreger, sondern auch einige der „guten“ Bakterien auf der Haut und den Schleimhäuten abtöten. Olzowy: „Unsere Ohrenschmerzen werden zwar dann rasch besser, aber wir bekommen vielleicht Durchfall, Infektionen der Schleimhäute mit Pilzen, oder sogar andere, schwere Infektionskrankheiten.“ Insbesondere bei Kindern könne die Entwicklung von „gesunden“ Bakteriengemeinschaften auf den Schleimhäuten durch Antibiotika gestört werden, sodass sie später chronische Entzündungen der Schleimhäute des Darms und der Nasennebenhöhlen entwickeln, warnt der HNO-Mediziner.

Gleichwohl gebe es Warnsignale, die einer ärztlichen Abklärung bedürfen: „Bei hohem Fieber, ungewöhnlich starken Schmerzen, einseitigen Halsschmerzen, geschwollenen Augenlidern oder stark geschwollenen Lymphknoten sollten die Betroffenen in jedem Fall kurzfristig einen Arzt aufsuchen.“ Durch eine Untersuchung von Rachen, Nase und Ohren sowie durch Abhören der Lunge könne der Arzt meist schon gut abschätzen, ob Antibiotika notwendig seien. In unsicheren Fällen können Blutwerte helfen, bakterielle von viralen Infektionen zu unterscheiden.

Doch nicht bei jeder bakteriellen Infektion komme gleich ein Antibiotikum zum Einsatz, erläutert Olzowy: „Wenn Ihr Arzt eine leichtere bakterielle Infektion vermutet, von der Sie sich mit Antibiotika eventuell etwas schneller erholen könnten, wird er Ihnen trotzdem zunächst Medikamente gegen die Symptome empfehlen. Hier können fiebersenkende und schmerzlindernde Wirkstoffe wie Paracetamol, Ibuprofen, Diclofenac oder Aspirin, aber auch verschiedene pflanzliche Medikamente zum Einsatz kommen, die Sie auch ohne Arztbesuch in der Apotheke bekommen.“ Unter Umständen werde der Arzt ein zweites Rezept für ein Antibiotikum mitgeben für den Fall einer Verschlechterung oder eines zu langwierigen Verlaufs. Studien konnten zeigen, dass bei ca. zwei Dritteln das Antibiotikum nicht benötigt werde, so HNO-Arzt Olzowy.

Das Thema Antibiotikavermeidung und die Frage, wie gefährlich Antibiotika sind, werden bei der 54. Fortbildungsveranstaltung für Hals-Nasen-Ohrenärzte, vom 28. bis 30. Oktober 2021, im Congress Center Rosengarten in Mannheim, diskutiert. Der Kongress steht in diesem Jahr unter dem Leitthema „Immunologie in der HNO-Medizin". Das wissenschaftliche Programm umfasst mehr als 70 einzelne Programmpunkte, darunter Vorträge, Falldiskussionen, Rundtischgespräche, Pro und Contra-Sessions, Kurse und Symposien mit über 100 Referentinnen und Referenten. Bei der angeschlossenen Industrieausstellung präsentieren sich mehr als 120 Firmen aus den Bereichen Medizintechnik, Pharmazie und Praxisbedarf. Damit zählt die Veranstaltung zu den größten Fachkongressen in der HNO-Heilkunde.

Gemäß der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg vom 15. Oktober 2021 gilt für den Kongress eine 2G-Regel (Zutritt nur für Geimpfte und Genesene) ohne Maskenpflicht in der Basisstufe. Für Aussteller und sonstige mitwirkende Beschäftigte gilt aufgrund des Arbeitsschutzrechts und aufgrund von Datenschutzvorgaben eine 3G-Regelung mit Maskenpflicht. Mehr Informationen zu den Zutrittshinwiesen und Hygieneauflagen unter www.fg-hno-aerzte.de/hygiene.

Pressevertreterinnen und -vertreter akkreditieren sich unter fg@  avoid-unrequested-mailshno-aerzte.de für die Teilnahme vor Ort. Mehr Informationen zum Programm und zur Anmeldung unter www.fg-hno-aerzte.de/kongress.

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Der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V. vertritt die ideellen und wirtschaftlichen Interessen der HNO-Ärztinnen und -Ärzte in Praxis und Klinik. Zu seinen Tätigkeitsschwerpunkten zählen die fachliche Beratung von ärztlichen Organisationen, wie Ärztekammern und Kassenärztlichen Vereinigungen sowie von Politik und anderen öffentlichen Einrichtungen. Der Verband unterstützt seine Mitglieder bei allen beruflichen Belangen und fördert mit der Organisation eigener Fortbildungsveranstaltungen den Wissenserwerb seiner Mitglieder.