Die vollständige Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie) ist bei wiederkehrenden akuten Mandelentzündungen ein etabliertes Behandlungsverfahren. Als Alternative kommt die Tonsillotomie infrage, bei der die Mandeln lediglich verkleinert werden. Ob die Teilentfernung bei dieser Indikation langfristig ebenso wirksam ist wie die vollständige Entfernung, ist bislang nicht ausreichend geklärt. Genau diese Frage untersucht die TOTO-Studie. Durchgeführt wird sie unter Federführung des Universitätsklinikums Jena gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) und dem Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte (BVHNO).
Zwei Operationsverfahren im Vergleich
In der Studie werden Patientinnen und Patienten ab drei Jahren mit wiederkehrenden akuten Mandelentzündungen nach dem Zufallsprinzip einer Tonsillotomie oder einer Tonsillektomie zugeteilt. Untersucht wird, ob die Teilentfernung im Hinblick auf erneut auftretende Beschwerden innerhalb von zwei Jahren der vollständigen Entfernung nicht unterlegen ist. Daneben werden unter anderem Fehlzeiten, Schmerzmittel- und Antibiotikabedarf, Komplikationen und Lebensqualität erfasst. Die Nachbeobachtung läuft nach Angaben der Studienleitung noch bis 2027. Die Hauptergebnisse sollen Ende 2027 veröffentlicht werden.
Erste Erkenntnisse aus den Ausgangsdaten
Bereits die Ausgangsdaten liefern Hinweise für die künftige Indikationsstellung. Die Teilnehmenden waren im Durchschnitt 24 Jahre alt, rund zwei Drittel waren weiblich. Besonders bemerkenswert ist nach Angaben von Prof. Dr. Guntinas-Lichius, dass die Zahl jährlicher Halsschmerzepisoden nur einen geringen Zusammenhang mit der Lebensqualität zeigte. Dies ist von Bedeutung, weil bei der Operationsentscheidung bislang die Zahl ärztlich dokumentierter Entzündungen eine wichtige Rolle spielt.
„Wir brauchen Forschung zu objektivierenden Biomarkern für die Entscheidungsfindung für oder gegen eine Operation. Das Zählen von Tonsillitis-Episoden ist zu ungenau, um zu entscheiden, ob ein Patient von einer Tonsillen-Chirurgie profitiert“, erklärt Prof. Dr. Guntinas-Lichius. Auch zwischen jüngeren und älteren Teilnehmenden zeigten sich den bisherigen Angaben zufolge kaum Unterschiede bei Beschwerden und Lebensqualität. Ob die beiden Operationstechniken langfristig gleichwertige Ergebnisse erzielen, kann erst nach Abschluss der Studie beurteilt werden.
Gemeinsame Forschung für die HNO-Versorgung
Die TOTO-Studie zeigt zugleich, dass sich große randomisierte chirurgische Studien durch die Zusammenarbeit von universitärer Forschung, wissenschaftlicher Fachgesellschaft und Berufsverband realisieren lassen. „Schon jetzt kann man sagen, dass BVHNO und DGHNO-KHC gemeinsam in der Lage sind, erfolgreich derart große chirurgische randomisierte Studien durchzuführen“, betont Prof. Dr. Guntinas-Lichius.
Der Vortrag „Was lernen wir Neues aus der TOTO-Studie?“ findet am Donnerstag, 29. Oktober 2026, von 16:35 bis 17:00 Uhr im Saal Alban Berg des Congress Centers Rosengarten in Mannheim statt. Die 59. Fortbildungsveranstaltung für HNO-Ärzte läuft vom 29. bis 31. Oktober 2026. Die Eröffnung findet bereits am 28. Oktober 2026 statt.
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