Online-Terminvergabe, KI-gestützte Telefonassistenten, Messenger und eine Online Rezeption können den Zugang zur Praxis erleichtern und wiederkehrende Anfragen auffangen, erläutert Loch. Durch Selbst-Check-in und digitale Anamnese ließen sich Informationen bereits vor dem Arztgespräch strukturiert erfassen. Begleitet von digitalen Patienteninformationen könne eine bessere Behandlung sichergestellt werden. Darüber hinaus müsse sich die Praxis auf Patienten einstellen, die sich vorab bei KI-Chatbots informiert hätten. „Künstliche Intelligenz ist dabei, den Arztberuf grundlegend zu verändern. Entscheidend ist, dass wir diese Entwicklung nicht nur beobachten, sondern selbst gestalten. Die Technologie soll uns bei unserer Arbeit unterstützen und die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten verbessern“, sagt Dr. Alexander Loch.
Praxisteam muss einbezogen werden
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei der Einführung der neuen Technik liege außerdem darin, das Praxisteam in den Prozess einzubinden. „Die Digitalisierung und die Einführung von KI sind Führungsaufgaben. Die Praxisleitung muss neben der Software auch die Abläufe und die Menschen berücksichtigen, die damit arbeiten“, betont HNO-Facharzt Alexander Loch. Neben der Installation neuer Technikkomponenten und der Kostenkalkulation gehörten deshalb auch Schulungen zum Implementierungsprozess. „Die Beschäftigten müssen die Anwendungen sicher bedienen und deren Möglichkeiten und Grenzen einschätzen können. Entscheidend ist, die Technik so einzubinden, dass sie die tägliche Arbeit tatsächlich erleichtert“, unterstreicht Loch.
Damit die Anwendungen den Praxisalltag entlasten, müssen sie außerdem mit der Praxissoftware und den Untersuchungsgeräten zusammenspielen. „Anamnese, Messungen und Befunde sollten digital übergeben und dort verfügbar sein, wo sie gebraucht werden. Bei Dokumentationsassistenten sind dafür beispielsweise Schnittstellen wie GDT und FHIR relevant“, erklärt Alexander Loch. Moderne Praxisverwaltungssysteme müssten deshalb den Datenaustausch und die Integration von KI ermöglichen. Nur dann sei es sinnvoll möglich, zum Beispiel mit KI-Assistenten das Arzt-Patienten-Gespräch zu transkribieren und die Inhalte für die Dokumentation oder einen Arztbrief aufzubereiten. Die Interoperabilität sei eine wichtige Anforderung, der die Hersteller gerecht werden müssten.
KI-Ergebnissen nicht blind vertrauen
Beim KI-Einsatz müssten auch die Grenzen der Systeme berücksichtigt werden, betont Loch weiter. „Sprachmodelle können plausibel klingende, aber falsche Antworten erzeugen. Mehr Daten und zusätzliche Diagnosevorschläge bedeuten zudem nicht automatisch eine bessere Versorgung.“ Deswegen seien Datenschutz und fachliche Überprüfung der KI-Ergebnisse wichtig. „KI gehört in die Hände reflektierender Ärzte“, fasst Loch zusammen. Persönliche Zuwendung, klinische Wahrnehmung und die Verantwortung für Entscheidungen blieben unverzichtbar. „Wir Ärztinnen und Ärzte müssen jetzt selbst aktiv werden und die Entwicklung mitgestalten. Wir sollten konkrete Anforderungen aus dem Praxisalltag formulieren und das Feld nicht allein den großen Technologieunternehmen überlassen.“
Die 59. Fortbildungsveranstaltung für HNO-Ärzte findet vom 29. bis 31. Oktober 2026 im Congress Center Rosengarten in Mannheim, mit Eröffnung am 28. Oktober 2026, statt. Der Kongress steht in diesem Jahr unter dem Leitthema „KI in der HNO: Hype oder Game Changer?“ Neben dem KI-Schwerpunkt bietet der Kongress ein breites Fortbildungsprogramm zu aktuellen Entwicklungen in Diagnostik und Therapie in der HNO Heilkunde sowie berufspolitischen Fragen. Ergänzt wird das Angebot durch Veranstaltungen für Medizinische Fachangestellte und HNO-Praxisteams. Zu der Veranstaltung werden ca. 2.000 Teilnehmende aus Deutschland und der DACH-Region erwartet.
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- Mehr Informationen zum HNO-Kongress 2026: www.fg-hno-aerzte.de



